materia
medica
»Wie aus Gesprächen und Briefwechseln mit fremdsprachigen Kollegen seit Jahren hervorgeht, ist ihr Blick auf die deutsche Homöopathie in der Hoffnung gerichtet, daß von ihr wesentliche Impulse für die grundlagengetreue Fortentwicklung der Homöopathie ausgehen. Der deutsche Sprachraum scheint jedoch diese Erwartungen weder wahrzunehmen noch um seinen großen Vorteil zu wissen: Seinen Angehörigen nämlich ist durch Geburt diejenige Sprache zugefallen, in der die Homöopathie begründet und in der die wesentlichen Arzneiprüfungen formuliert wurden, so daß sich die entsprechenden Abhandlungen unmittelbar verstehen lassen. Wie bedeutsam der Sprachfaktor ist, wird jedem klar, der deutsche Primärquellen mit ihren englischen Übersetzungen vergleicht.«
»Beispielsweise gibt es bis heute keine englische Organon-Ausgabe, die den Begriff des “Heilkünstlers“ des dritten Paragraphen korrekt wiedergibt. Hahnemann nennt hiermit denjenigen, der gebunden an Gesetzmäßigkeiten heilen kann - Kunst von können und nicht den “true physician“ usw., wie die Übersetzungen lauten. Ähnlich verhält es sich mit der Übersetzung von Arzneisymptomen, wobei besonders die Empfindungen nicht immer genau übertragen wurden.Die muttersprachlich deutsche und dadurch begünstigte Kollegenschaft nimmt somit eine Sonderstellung ein, aus der ihr jedoch auch eine besondere Verantwortung für die Sache der Homöopathie, für die internationale Kollegenschaft und nicht zuletzt für die Patienten erwächst.« [Eröffnungsvortrag auf der 153. Jahrestagung des DZVhÄ am 24.5.2001 in Hamburg von Dr. med. Klaus-Henning Gypser]
HEILMITTELARCHIV

Vorwort des HEILMITTELARCHIVS (pdf)
der als erstes (und mit einer Verbeugung) Samuel Hahnemann und danach Constantin Hering das Wort überläßt:
Der vorurteilslose Beobachter, ... nimmt, auch wenn er der scharfsinnigste ist, an jeder
einzelnen Krankheit nichts, als äußerlich durch die Sinne erkennbare Veränderungen im
Befinden des Leibes und der Seele, Kr a n kh e its z e ic h e n , Z u fä l le , S ymptome wahr, das ist, Abweichungen vom gesunden, ehemaligen Zustande des jetzt Kranken, die dieser selbst fühlt, die die Umstehenden an ihm wahrnehmen, und die der Arzt an ihm beobachtet. Alle diese wahrnehmbaren Zeichen repräsentieren die Krankheit in ihrem ganzen Umfange, das ist, sie bilden zusammen die wahre und einzig denkbare Gestalt der Krankheit.
Das erste neue und besondere daran ist, den Kranken a n z u hö r e n. Man sollte glauben, das wäre jederzeit geschehen, und doch geschah es nach Hippokrates selten oder nie mehr, oder doch höchstens als etwas unnötiges. Wie ein Richter, der urteilt, ehe er gehört hat, so sind die meisten Ärzte bis auf den heutigen Tag. ... Das Anhören oh n e U nt e r br e c h u n g ist hierbei außerordentlich wichtig; das Bild wird immer gestört und getrübt, wenn der Arzt sich ins Erzählen mengt oder voreilig fragt. Die Hauptsache ist die, [... ihn] in seinen ganz ungestörten Äußerungen über seine Krankheit zu beobachten.
Hahnemann und Hering geht es also um das Zuhören, was der Kranke fühlt und was an ihm wahrzunehmen ist, um Zeichen, Zufälle, Äußerungen, nicht aber um Diagnosen und Krankheitsnamen. Wie schwer es vor allem anfangs fällt, vom Ausfragen zum Zuhören zu gelangen, ist jedem von uns wohl hinreichend bekannt. Ohne zu werten und ohne zu urteilen jeder Person mit Liebe zu begegnen, ist dafür Vorraussetzung.
Dabei schreibt der Arzt "alles genau mit den nämlichen Ausdrücken auf, deren der Kranke und die Angehörigen sich bedienen." Es muß demgemäß der Originalwortlaut der Prüfer (als auch der Patienten) unbedingt erhalten bleiben und berücksichtigt werden.
Zum Zwecke der Arzneimittelwahl soll der "echte Heilkünstler" nun diesen "Zeichen-Inbegriff" der Krankheit den, durch die Arznei bei der Prüfung an gesunden Personen hervorgerufenen Symptomen entgegenhalten, beide miteinander vergleichen. Doch sind bei dieser "Gegeneinanderhaltung des Zeichen-Inbegriffs der natürlichen Krankheit gegen die Symptomenreihen der vorhandenen Arzneien", die "auffallenderen, sonderlichen, ungewöhnlichen und eigenheitlichen (charakteristischen) Zeichen und Symptome des Krankheitsfalles, besonders und fast einzig fest in´s Auge zu fassen, denn vorzüglich diesen, müssen sehr ähnliche, in der Symptomenreihe der gesuchten Arznei entsprechen, "
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Das HEILMITTELARCHIV ist gedacht als Bestandsaufnahme der überreichen homöopathischen Literatur fast zweier Jahrhunderte. Die homöopathische Heilkunst muß sich einerseits auf ihre Grundlagen besinnen, die Arzneimittelprüfung, die Heilung am Krankenbett, darf aber auch die Hinweise der "Alten" [Weisen der Homöopathie] nicht verwerfen, ohne sich dabei der Wahrnehmung neuer Perspektiven im Verständnis der Heilmittel zu verschließen.
Aufnahme fanden sämtliche Arzneimittelprüfungen der Zeitschriften: Hygea; Archiv für die homöopathische Heilkunst [Stapf]; Österreichische Zeitschrift für Homöopathie; Zeitschrift des Berliner Vereins homöopathischer Ärzte; Allgemeine homöopathische Zeitschrift; Homöopathische Vierteljahresschrift; Annalen der homoeopathischen Heilkunst; Neue Zeitschrift für homoeopathische Klinik .
Soweit in den oben aufgeführten Periodica und weiteren Originalquellen aussagekräftige Intoxikationen und Kasuistiken zu finden waren, wurden diese, teilweise auch sehr ausführlich, ins HEILMITTELARCHIV mit aufgenommen, einerseits zur Verifizierung von Prüfungssymptomen, andererseits aber auch, um Heilungen darzustellen, die sich auf keinerlei AMP zurückführen lassen.
Was auch immer in den gegenwärtigen Diskussionen über den Wert einzelner Symptom-Arten, über die unterschiedlichen Definitionen von Charakteristika, über das Für und Wider klinischer Symptome etc. erörtert wird, welche Angaben auch immer es sind, die aus Kasuistiken als wesentlich extrahiert werden können, all dies muß und kann nur vor dem Hintergrund sämtlicher gesammelter Erfahrungen geschehen - alle theoretischen "Ergrübelungen" müssen sich messen lassen an der Vereinbarkeit mit den tatsächlich in der Praxis gewonnenen Ergebnissen. Das HEILMITTELARCHIV soll als Grundlage solcher Diskussionen Nutzung finden.
Schwerpunkt des HEILMITTELARCHIVS ist die Dokumentation der homöopathischen Materia Medica des 19. Jahrhunderts. Vieles (doch noch weit nicht alles) wurde davon integriert und ich möchte mich an dieser Stelle sehr herzlich bei jenen bedanken, die mir Literatur und Orginalien zur Verfügung stellten (insbesondere Hans-Joerg Hee, Eckart von Seherr-Thos, Norbert Winter, Veronika Rampold) und bei Recherchen behilflich waren.
Auch weiterhin bitte ich ausdrücklich um die Bereitstellung entsprechender Primärquellen, Zeitschriften und sonstiger Orginalia, sowie auch aktueller Arzneimittelprüfungen und aussagekräftiger Kasuistiken.
Besonders am Herzen lagen und liegen mir die wortwörtlichen Aufzeichnungen des von den Kranken Ausgedrückten, wie es Georg von Keller auf seine ganz eigene, leidenschaftliche und doch ausgesprochen liebenswerte Art über Jahrzehnte praktiziert hat und den ich hier noch einmal zu Wort kommen lassen will:
Nicht das Beweisbare, das genau Gemessene bildet die Grundlage der Arzneimittelwahl, sondern gerade das vom Standard Abweichende, das Ungenaue, Schillernde, Phantasievolle des sprachlichen Ausdrucks.
Warum sonst hat Hahnemann den Titel seines 1810 erschienenen Grundlagenwerks "Or g a non d e r r a t ion e l l e n He ilku n d e " in den späteren Auflagen zu "Or g a non d e r He ilku n s t " verändert - eben diese "Heilkunst" zeichnet berühmte homöopathische Meister wie Lippe aus.
Gerade solche Schätze dürfen nicht verloren gehen - und um viele solcher ungehobener Schätze geht es mir im HEILMITTELARCHIV. Das mag und kann für sich selbst sprechen und braucht keine weitere Ankündigung meinerseits, weshalb ich dem Leser, der Leserin, uns allen den Erfolg, was schreibe ich, die Herzensbefriedigung wünsche,
Nux moschata aus dem HEILMITTELARCHIV (pdf)
Von Beat Hanselmann kam der Vorschlag, den Einlegekarton mit den Quellensiglen ausführlicher zu gestalten. Wer mag, kann sich hier eine pdf-Version des Einlegekartons (pdf) mit allen Autorenziffern herunterladen, auf DinA4 doppelseitig ausdrucken und zuschneiden [oder bei Bedarf nach Autoren alphabetisch geordnet (pdf)].
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Lust auf mehr ?
Einzelne Kasuistiken aus dem HEILMITTELARCHIV (pdf-Dateien):
Agaricus muscarius (pdf)
Calcarea carbonica (pdf)
Opium (pdf)
Das HEILMITTELARCHIV ist im Dezember 2008 erschienen.
Darüber hinaus bin ich all jenen sehr dankbar, die mir aussagekräftige Prüfungen, Kasuistiken und Verifizierungen, insbesondere natürlich auch alte Originalien [ganz besonders bin ich im Moment am dritten Band der "Zeitschrift des Berliner Vereins homöopathischer Ärzte" , sowie an der "Zeitschrift des Vereins der Homöopathischen Ärzte Österreichs" interessiert], zur Verfügung stellen.